Santarem –> Belem

Nach der Amazonastour von Manaus aus ging es per Flieger nach Santarem, auf halben Weg zwischen Belem und Manaus. Der Flug war mit 1,5h relativ kurz. Vom Flughafen aus erwischten wir gleich den günstigen Bus ($R3 pro Erwachsener), der uns sogar bis zur Haltestelle vor unserem Hotel (Palace Santarem) brachte 🙂 Das Taxi hätte übrigens $R70 gekostet und Uber gibt es leider in Santarem noch nicht.

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Irina ging am nächsten Tag ins öffentliche Krankenhaus, welches eher den Charakter eines Gefängnisses hatte. Aufgrund der anhaltenden Grippesymptome unterzog sie sich einem Malariatest, der glücklicherweise negativ ausfiel. Das Ergebnis stand innerhalb weniger Stunden zur Verfügung und kostete tatsächlich gar nichts 🙂

Die Kinder und Lothar nutzten den Tag für einen Ausflug nach Alter do Chao. Dieses von Santarem rund 30km entfernte Städtchen wurde vom britischen Magazin „Guardian“ mit dem Titel des schönsten Süßwasserstrandes der Welt belegt. Dieser auf der Isla Amor liegende Strand ist allerdings in seiner vollen Pracht nur in der Trockenzeit zu bestaunen. Da wir noch mitten in der Regenzeit hier waren lag die Insel und die Strohhütten halb unter Wasser.

Die Busfahrt nach Alter do Chao startete wieder komfortabel vor unserem Hotel und dauerte etwas mehr als eine Stunde und kostete sage und schreibe nur $R3,50. Wir stellten uns zunächst eine Weile unter um die Regenschauer (Regenzeit!) zu überbrücken und verbrachten anschließend die erste Zeit an der Praia do Alter do Chao. Hier erfrischten wir uns im wohltemperierten Rio Tapajos.

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Anschließend nahmen wir ein Ruderboot für $R5 auf die Insel Ilha Amor bzw. was davon übrig geblieben war. Der Bootsmann ließ uns bei einer halb-überschwemmten Strohhütte raus und wir durften noch einige Meter durch das Taillen-hohe Wasser stapfen. Auch hier konnten die Kinder wieder super plantschen. Am Abend ging’s wieder per Bus zurück ins Hotel.

Am nächsten Morgen nahmen wir gegen 9 Uhr ein Taxi ($R20) zum Hafen, wo unser nächstes Transportmittel auf uns wartete: Das Schiff Amazon Star. Wir hatten uns vorab im Internet zu Preisen und Kabinen informiert und letztendlich über AR Transporte (www.artransporte.com.br) eine Reservierung vorgenommen. Dazu hatten wir vorab für die Master Suite $R600 per Bankautomat als Anzahlung überwiesen und die gleiche Summe dann am Vortag persönlich im Büro bezahlt, wo wir auch die Fahrkarte ausgehändigt bekommen haben.

Bei der Amazon Star handelt es sich um großes Personen- und Transportschiff, das Platz für mehr als 300 Passagiere und zahlreiche Autos bietet. Die meisten (und günstigsten) Plätze sind im Hängemattenschlafsaal zu finden: Hierzu sucht man sich mit der selbstmitgebrachten Hängematte zwei Haken und verstaut sein Gepäck darunter – Privatsphäre Fehlanzeige. Auch gilt hier: First come, first serve. Da das Schiff bereits in Manaus gestartet war hatte sich der Schlafsaal bereits gut gefüllt bis Santarem.

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Wir hatten uns nicht zuletzt aufgrund der Kinder für die „Master Suite“ entschieden. Als wir auf dem Boot eincheckten wurde uns gesagt, dass keine Master Suite mehr zur Verfügung stehen würde und sie uns die Kabine des Schiffsbesitzers (der nicht an Bord war) geben würden. So sah die dann aus:

Das Schiff legte ca. 30min verspätet gegen 10:30 Uhr ab. Wir lernten sogleich ein älteres deutsches Paar kennen und stellten fest, dass auch hier wieder viele weitere Deutsche an Bord waren. Das Amazonasgebiet scheint ein richtiger Magnet für unsere Landsleute zu sein 🙂

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Die Route verlief entlang des Amazonas Richtung Osten über die Inselregion (Ilha Grande) und bog dann via dem Fluss Para gen Marajo Bucht ab von wo es schließlich nach Belem ging. Insgesamt waren rund 45 Stunden Schiffsfahrt für diese Strecke prognostiziert. Es gab zudem drei Mahlzeiten zum Verkauf an Bord, meist Reis, Bohnen, Nudeln und eine Fleischart. Das Preis-Leistungsverhältnis war ok, da die Gerichte nie mehr als $R15 kosteten. Allerdings kann es schnell eintönig werden.

Das Schiff hatte drei Decks: Im untersten befand sich das Lager und die Autostellplätze, im mittleren die Kajüten und der Hängemattenschlafsaal und im obersten gab es weitere Kajüten sowie eine Bar. Letztere mutierte auch schnell zum wichtigsten Treffpunkt aller Schiffsinsassen. Auch hier konnte man etwas zu essen und vor allem zu trinken bestellen. Bier ($R5) war übrigens genau so teuer wie Cola 😉

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Beliebt unter den Brasilianern an Bord war Domino, das an Plastiktischen mit einem kühlen Bier gespielt wurde.

Der erste Tag an Bord verlief relativ schnell und die Aussicht war relativ monoton, da der Amazonas sehr breit war und die Ufer dementsprechend weit entfernt waren. Zu den Highlights gehörten daher die Stopps an den Häfen Monte Allegri und Prainha, wo Händler eifrig versuchten Speis und Trank an die Schiffsreisenden zu bringen. Ein sehr willkommene und günstigere Abwechslung zur Schiffskost 😉

Besonders interessant war hierbei die Idee das Verkaufsgut durch eine an einem langen Stock befestigte Plastikflasche zu den Gästen am obersten Deck zu transportieren. Diese nahmen die Ware entgegen und legten wiederum Bargeld in die Plastikflasche. Easy peasy  und exotische Früchte waren auch oft dabei:)

Sobald die Sonne unterging gab es nicht mehr viel zu tun. Unsere Aktivitäten pendelten zwischen Unterhaltungen an der Bar und Kinder-DVDs auf der Kajüte. Beide Abende gingen wir zudem früh schlafen, was nach den vielen Krankheiten auch gut tat.

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Tag zwei war definitiv spannender als der erste. Einerseits wurde der Schifffahrtsweg auf dem Rio Para enger und somit die Landschaft besser sichtbar. Viele Pflanzen, die wir sichteten kannten wir bereits von unserem Dschungeltrip. Wer allerdings viele Tiere auf der Fahrt erhofft wird enttäuscht werden. Bis auf einen Delphin und ein paar Vögel gab es nichts zu bestaunen. Andererseits nahmen die Siedlungen am Rio Para zu und man konnte viele Holzbauten der lokalen Bewohner bestaunen.

Oft näherten sich 5-jaehrige mit ihren kleinen Geschwistern in einem Kajak unserem Schiff, in der Hoffnung etwas zu bekommen. Wir hatten uns vorab informiert und ein paar Klamotten und Schreibsachen besorgt, die wir in Plastiktüten ihnen so nah wie möglich zu warfen. Maja spendete sogar ihr Quietscheentchen 🙂 Auch von den anderen Reisenden gab es viele Geschenke.

Am nächsten Morgen wurden wir gegen 7:15 Uhr ein zweites Mal vom Personal geweckt. Dank günstiger Strömungen kamen wir mindestens drei Stunden vor geplanter Ankunft. Als wir das Schiff ankam haben wir also ein paar Stündchen weiter gepennt. Wir wussten nicht, ob die anderen Reisenden auch geweckt wurden, aber irgendwie kam uns der Aufenthalt und das zweite Wecken und die Bitte das Schiff zu verlassen, da es bald wieder ablege, nicht koscher vor und wir vermuteten, dass unseren Kabine inoffiziell vermietet wird und das Geld aufgeteilt wird. Die Wahrheit werden wir nie erfahren…

Damit endete unsere zweitägige Amazonasschifffahrt. Wir fanden sie interessant, allerdings zu teuer. Ein Australier an Bord erzählte uns, dass er für nur $R80 in der Hängematte von Manaus nach Santarem mit einem anderem Boot gekommen war. Wenn Suite, dann würden wir nur die Doppelbett-Suite (cama casal) empfehlen, da diese genauso gut aussah wie unsere Master Suite und $R200 günstiger war. Aber insgesamt fanden wir alles außer den Hängemattenplätzen überteuert. Die Preise relativieren sich ein wenig wenn man die gesamte Strecke von Manaus nach Belem (5 Tage) fährt, da hier der Aufpreis nur minimal mehr ist als auf der Strecke Santarem – Belem.

Am Güterhafen angekommen ging’s per Bus zum Ver-o-Peso, Belems bekannten Markt, und von dort aus erreichten wir fußläufig unser Hotel, in dem wir auch schon in der Nacht vor dem Abflug geblieben waren. An unserem Ankunftstag hatten wir uns bereits den Parque Zoologico Emilio Goeldi angeschaut, der sehr empfehlenswert ist (Eintritt $R3 pro Erwachsener). Hier kann man Tapire, Alligatoren, Papageien, Jaguare, Schildkröten und viele weitere Amazonastiere bestaunen. Außerdem gibt’s die riesigen Wasserlilien aus dem Amazonasgebiet zu sehen.

Zu den Highlights von Belem gehört sicherlich die Hafengegend, um den Ver-o-Peso und die Docas herum. Hier kann man sehr nett zwischen den Suppenküchen und Fressständen flanieren, sich ein leckeres frisch gezapftes Amazon Bier gönnen oder eine spontan stattfindende Tanzshow bestaunen.

Auch der Mercado Central ist aufgrund seiner interessanten Architektur einen Besuch wert. Hier stießen wir auf die folgende Band:

Die Altstadt, Cidade Velho, ist auch gespickt mit Museen, einer Festung und einer schönen Kirche. Allerdings sollte man sich anders als wir einen anderen Tag als Montag aussuchen, da hier durch die Bank alles geschlossen war. Passte irgendwie zu dem permanenten Regenwetter, das wir während der zwei Tag hatten. Am Sonntag gab es zudem einen netten Markt am Praca do Republica.

Da nach Belem Brasilia das nächste Ziel war und dies eine ordentliche Fahrstrecke war nutzten wir noch die Vorzüge der Stadt für zwei Erledigungen: Zum einen stillten wir Leo’s wiederkehrende Zahnschmerzen mit zwei Füllungen beim Zahnarzt Dr. Renan Alves ($R700 – nicht so günstig wie in Uruguay). Zum anderen bekam Oscar seinen wohlverdienten Öl- und Klimaanlagenfilterwechsel. Abgehakt 🙂

Wir nutzten zudem die Gelegenheit die Schwägerin meines ehemaligen brasilianischen Arbeitskollegen Claudio in Belem zu besuchen. Oriana und Sergio sind beide Dozenten an der UFPA (Universidade Federal do Para) und leben in einem schönen Häuschen in einer Gated Community in Universitätsnähe. Netterweise konnten wir Oscar vor ihrem Haus während unser Amazonasreise lassen. Es war schön die beiden kennenzulernen!

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