Amazonas & Manaus

Es war das erste Mal auf unser Reise, dass wir eine mehrtägige organisierte Tour buchten. Ziel war das Amazonasgebiet und da ist es nun mal schwer authentische Ausflüge auf eigene Faust zu unternehmen. Die Idee war nicht nur in Manaus zu bleiben, sondern den Amazonas hautnah in Form einer Dschungel-Lodge und damit angebotenen Touren zu erleben.

Die Auswahl ist groß und die Preise oft ohne erste Kontaktanfrage schwer ersichtlich. Wir konzentrierten uns auf vier Lodges: Amazon Turtle Lodge (http://www.amazonturtlelodge.com/), Geros Ararinha Jungle Hotel, Tariri Lodge und Amazon Antonio Jungle Lodge. Bei den beiden Letzteren war das „Meeting of the Waters“, das Zusammentreffen von Rio Negro und Rio Solimoes nicht inkludiert und somit sortierten wir diese aus. Zwischen den beiden ersteren war es ein Kopf-an-Kopf Rennen und schließlich gaben nur Kleinigkeiten (etwas günstiger, schnellere Antworten, Flughafenabholung) den Ausschlag für Geros Lodge (http://amazongero.com/).

Der Flug nach Manaus ging ab Belem (eigener Eintrag zu dieser Stadt folgt) um 22:40 Uhr los und landete spät um 0:50 Uhr Manaus Zeit (-1 Stunde zu Belem). Der Preis lag bei rund 340 Euro (nur Hinflug) für uns vier plus einem Gepäckstück was fair war für einen Flug von drei Stunden. Wir nutzten in Belem übrigens Uber ($R25 von der Stadt) was sich als sinnvoll herausstellte, da das Parken am Flughafen mit $R55 pro Tag relativ teuer war.

Toll an Gero’s Paket ist, dass er einen vom Flughafen abholt und zum Hotel bringt, was uns sehr gelegen kam aufgrund der Ankunftszeit mitten in der Nacht. Am nächsten Morgen ging’s auch gleich um 9:30Uhr los: Unser Fahrer Luiz brachte uns und zwei andere Mädels mit dem Auto zum Hafen Ceasa, wo wir unseren Trip in bar bezahlten ($R3000 für 4 Tage/3 Nächte) und noch einen kurzen Blick auf den lokalen Fischmarkt werfen konnten.

Dann ging es per Schnellboot zum ersten Highlight des Trips: Das Zusammentreffen von Rio Negro und Rio Salimoes („Meeting of the Waters“). Die beiden Flüsse besitzen eine unterschiedliche Farbe (aufgrund unterschiedlicher Sedimente, die sie auf ihrer Reise durch das Amazonasgebiet aufnehmen) und unterschiedliche Temperatur (Rio Negro ist wärmer aufgrund seiner schwarzen Farbe) und treffen geballt aufeinander ohne sich zu vermischen. Wir stoppten an der Schnittstelle für mehrere Minuten und konnten den Temperaturunterschied (manchmal bis zu 10 Grad Celsius, bei uns waren es eher 5) hautnah ertasten. Ein faszinierendes Spektakel unserer Natur!

Nach der Bootsfahrt ging’s per Bus weiter für knapp eine Stunde, wovon die Hälfte ungeteert war. Das letzte Stück überbrückten wir dann wieder per kleinem motorisierten Boot und erreichten nach gut drei Stunden endlich das Ararinha Jungle „Hotel“. Wir hatten uns für das private Bungalow mit Ventilator entschieden, es gab aber auch günstigere Varianten im Schlafsaal (R$800 für 4 Tage ohne privaten Führer).

Wir bekamen noch ein einfaches Mittagessen (Reis & Bohnen, ihr wisst schon) serviert und dann ging das Programm auch schon los. Wir hatten einen privaten Führer gebucht. Er heißt Anselmo und bildete zusammen mit unserem Bootsfahrer Nanaco unser Erkundungsteam für die nächsten vier Tage.

Auf einem kleinen, motorisierten Boot tourten wir zunächst durch die Seitenarme des Amazonas. Es war sehr faszinierend die überschwemmten Bäume, Schlingpflanzen, Seegras und Kleintiere (Spinnen, über Wasser rennende Eidechsen, springende Fische) in den engen Schwemmlandkanälen, den sogenannten Igapos, zu begutachten.

Dabei entdeckten unsere Guides allerlei Vogelarten – von Kranichen, über Papageien und Tucans bis hin zu exotischen Gestalten wie dem Uatsin, einem prähistorischen Federvieh. Die Unmenge an Vogelarten ist eine der größten Faszinationen des Amazonas und wir entdeckten im Laufe der vier Tage mindestens 20 verschiedene Arten! Sogar einen Iguana in der Baumkrone erspähten wir.

Einen besonderen Vogel hatten unsere Guides trotz 20 Jahre Amazonas noch nie zuvor gesehen: Der Halsband-Faulvogel, dessen Name ein befreundeter Ornithologe erst feststellen musste.

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Dann ging es zu einem „See“ zum Schwimmen. Diese Bezeichnung wird im Amazonas für Gewässer benutzt, die von mehreren Seiten mit Wasser gespeist werden und relativ still stehen. Ein kurzer Sprung vom Boot und schon waren Leo und Lothar im Wasser. Die Schwimmwesten dienten dabei als Schwimmflügel. Maja kam auch noch für 10 Sekunden dazu, zog aber das Trockene im Boot dann relativ schnell vor. Das erste Bad im größten Fluss der Welt – toll 🙂

Anschließend ging’s zurück zum Abendessen, wo wir all die anderen Touristen kennenlernen konnten. Amtssprache war zum Großteil deutsch, da mindestens die Hälfte der Besucher Deutsche waren. Das Essen (Fisch, Hühnchen, Salat, Reis, Nudeln, Bohnen) war einfach, aber lecker. Die Nacht mit Moskitonetzen und einem Ventilator war relativ unangenehm, da es einfach zu warm und schwül im Zimmer war. Glücklicherweise bekamen wir am nächsten Tag einen weiteren Ventilator und auch Nachttemperatur wurde milder.

Am nächsten Morgen ging’s nach dem Frühstück wohlgestärkt zum Piranha Fischen. Dazu suchten wir uns einen ruhigen Seitenarm des Flusses, wo das Wasser relativ still stand. Dann holten unsere Führer Becher mit kleinen Rindfleischstücken hervor, die als Köder dienten. Die „Angeln“ waren Stöcke mit Faden und einem Haken – was den Erfolg aber nicht schmälerte 🙂 Leonard war sogar der erste der einen Piranha herausholte 🙂 Pirinhas lieben stilles Wasser und stille Köder. Das einstündige Angeln artete ein wenig zum Wettbewerb Brasilien vs Deutschland aus und als der Guide sagte Brasilien 1 konnte Lothar sich das „Deutschland 7“ nicht verkneifen 😉 Insgesamt waren wir sehr erfolgreich (bis auf Lothar, der wieder mal keinen Fisch fing) und brachten samt Fang der Führer 7-8 Pirinhas zurück. Diese gab es dann auch gleich gegrillt zum Mittagessen 🙂

Am Nachmittag stand Dschungelwanderung auf dem Programm. Hier entdeckten wir den oben beschriebenen Halsband-Faulvogel, einige andere bunte Vögel, Kautschuk – und Kaugummibäume (weißer Saft!), Brasiliennüsse, Lianen sowie Açai- und Dornenbäume.

Leo entdeckte sogar eine blattgrüne Stabheuschrecke, welches nicht mal die Guides sahen. Außerdem lockte Anselmo mit einem Stock tropische Riesenameisen aus einem Loch – die wohl größten und schmerzhaftesten Ameisen der Welt: Ein Biss soll zwischen 6 und 12 Stunden starke Schmerzen hervorrufen und kann auch Schwindel auslösen.

Am nächsten Tag suchten wir nach Tieren, die wir bisher noch nicht gesichtet hatten und wir hatten Glück: Hoch oben auf einem Baum erblickten wir zwei Faultiere in einer Baumkrone. Diese Tiere sind sehr scheu und nicht einfach zu entdecken, da sie in dieser Höhe leicht mit Termitenhügeln zu verwechseln sind. Unserer Führer sah davon ab die Faultiere von den Bäumen zu holen, da es gegen brasilianisches Gesetz verstößt wohingegen der Guide der anderen Gruppe dies tat und die Besucher diese auch anfassen durften.

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Weiter ging’s auf Delphinsuche. Wir hatten bereits zuvor die Sauerstoffausstöße dieser Flussbewohner gehört nie aber die Körper der pinken und grauen Delphine erblicken können. Es dauert eine Weile bis wir eine geeignete Stelle fanden, diese war aber klasse: Wie auf einer Einbahnstraße tauchten bis zu 20 graue und pinke Delphine in einem Radius von 30m um unser Boot auf um kurz nach Luft zu schnappen. Es war ein beeindruckendes Schauspiel – allein schöne Bilder wollten uns nicht gelingen.

Zum Abschluss des Tages durften wir noch einen sehr schönen Sonnenuntergang miterleben.

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Nach dem Abendessen stand diesmal noch ein Programmpunkt an: Die Suche und das Fangen eines Caiman-Alligators. Diese Flussbewohner hatte Lothar bereits tagsüber in der Nähe der Bootrampe erblicken können, kurz nachdem ein mutiger Germane schwimmend aus dem Wasser kam 😉

Die nächtliche Stimmung und Geräusche waren sehr romantisch: Wir hörten Grillenzirpen, Vogelgesang, erblickten eine Eule sowie eine Flussrate, sahen Glühwürmchen vorbeischwirren und schauten auf einen traumhaften Sternenhimmel.

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Das Highlight in dieser Nacht war jedoch das Erblicken der roten Caiman-Augen und das Einfangen eines kleinen Caimans. Anselmo benötigte zwar mehrere Anläufe, aber Leo schaute sehr stolz als er den kleinen Alligator mit den eigenen Händen anfassen durfte. Genau die richtige Größe für Leonard! Maja war zu diesem Zeitpunkt leider schon in Mamas Händen eingeschlafen. Also durfte Papa ihn auch noch kurz halten. Nur gut, dass Anselmo uns erst im Nachhinein erzählte, dass er schon mehrfach gebissen wurde 😉

Der nächste Morgen begann mit einer faustdicken Überraschung. Unter dem Steg der von der Bootrampe zu den Bungalows führte, wurde eine Schlange gesichtet! Schnell versammelten sich alle Besucher und der Führer Michel fing diese mit einem langen Stock ein. Es war eine ungiftige Cobra, die sogar eine Zecke im Kopf stecken hatte! Somit hatten wir auch das erhoffte Kriechtier noch sehen dürfen – ein glücklicher Zufall.

Den letzten Vormittag verbrachten wir auf Wunsch von Irina und Leonard nochmal mit Piranha-Fischen. Diesmal war Lothar erstaunlicherweise mit 6(!) Piranhas der erfolgreichste. Die glücklichen Fische endeten jedoch diesmal nicht auf dem Grill sondern wieder im Wasser 🙂 Anschließend ging es noch in den Fruchtgarten eines lokalen Bewohners, wo wir allerlei exotische Früchte zu probieren gab. Leo und Maja waren ein große Fans davon. Ihre Lieblingsfrucht, Ingamarie, gab es übrigens auf einem Baum gegenüber von der Bootrampe unserer Lodge.

Damit ging ein äußerst erfolgreicher und spannender Besuch des Amazonasgebietes zu Ende. Wir waren dort noch mitten in der Regenzeit und es gab wie zu erwarten den ein oder anderen erfrischenden Regenschauer, welche jedoch nur kurz verweilte. Laut unserem Guide sind die besten Besuchszeiten März/April und September/Oktober da es hier die besten Chancen gibt Tiere zu sehen. An der Lodge war die Menge an Moskitos verträglich und weniger als erwartet. Auf die Übernachtung im Dschungelcamp (Hängematte und Überdachung aus Zweigen gebaut) verzichteten wir vor allem aufgrund der Kinder. Die meisten Deutschen fanden es jedoch ein authentisches Erlebnis trotz der erhöhten Menge an Moskitostichen.

Nach unserer Rückkehr besichtigten wir noch ein paar Sehenswürdigkeiten in Manaus, darunter den Palacio da Justicia, die Ingreja Sao Sebastiao, den Praca Sao Sebastiao sowie das Teatro Amazonas. Hier unternahm Lothar auch eine Führung ($R20) die in Ordnung war und erfuhr von der Gratisvorstellung am gleichen Abend. Damit war unser Abendprogramm schon festgelegt 😉 Zu schauen gab es traditionelle Indianertänze sowie ein klassisches Konzert.

Unser Fazit: Ein Besuch des Amazonasgebiets durch Aufenthalt in einer Dschungel-Lodge ist sehr empfehlenswert und ein Muss bei jedem Manaus-Besuch. Die Stadt selbst ist ganz nett, sollte aber bei Zeitknappheit zugunsten der Dschungel-Lodge weggelassen werden.

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